Fisch aus Aquakultur: Was ist so schlimm daran?

FischFisch ist eine Delikatesse. Wir lieben unseren Lachs, den Thunfisch und die Shrimps und so essen allein die Deutschen derzeit mehr Fisch, als man aus dem Meer ziehen kann. Die Lösung des Nachfrage-Problems scheint in der gezielten Zucht von Fischen zu liegen. Auf der Verpackung steht dann zum Beispiel „Aus Aquakultur in Norwegen“. Klingt doch eigentlich ganz gut, oder? Kein Wildfang! Braucht man da noch den teuren Bio-Fisch? Was bedeutet Aquakultur eigentlich genau?

Aquakultur: Massentierhaltung unter Wasser

Jedes Jahr werden nach Angaben der Welternährungsorganisation etwa 80 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Die Nachfrage nach Fisch ist enorm und steigt stetig an. Schienen die Weltmeere noch vor 50 Jahren einen unerschöpflichen Bestand an Fisch zu bieten, sind viele Fischarten heute durch rücksichtslose Überfischung bedroht. Die Idee, den Fischfang und das Problem des Beifangs durch gezielte Fischzucht zu verringern, ist also im Grundsatz ganz gut. Leider hapert es in der konventionellen Aquakultur an der Umsetzung. Die Folge ist, dass Umwelt und Fischbestände noch stärker gefährdet sind als je zuvor. Warum?

Fisch-Futter

Da ist zunächst das Problem des Fütterns: Auch Fische, die in Aquakultur leben, müssen fressen. Meistens hält man Raubfische wie Lachse in konventioneller Aquakultur und auf deren Speiseplan steht eben Fisch. Für ein Kilo gezüchteten Lachs müssen bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch verfüttert werden. Bei der Thunfischzucht sind sogar 20 Kilo Futterfische pro Kilo Thunfisch nötig. Mittlerweile werden bis zu 40 Prozent der wild gefangenen Fische ausschließlich zur Fütterung der Zuchtfische in Aquakultur eingesetzt.
Dazu kommt, dass für den Besatz der Zuchten stets Jungfische aus Wildfang eingesetzt werden. Konventionelle Aquakultur verschärft das Problem der Überfischung also noch zusätzlich.

Stress und Krankheiten

Konventionelle Aquakultur ist Massentierhaltung. Die Fische leben auf so engem Raum, dass sie ständig an ihren Leidensgenossen oder an der Käfigbegrenzung reiben. Dieser Platzmangel führt zu Stress, Verhaltensstörungen und Aggressionen bei den Fischen. Verletzungen von Flossen und Augen sind keine Seltenheit. Viele Fische erblinden oder leiden an Skelettverformungen. Die Todesrate bei konventioneller Aquakultur liegt oft über 20 Prozent!

Parasiten

In der gedrungenen Enge können sich Krankheiten und Parasiten optimal verbreiten. Besonders bedrohlich sind die Meeresläuse, die bei Aquakulturen im Meer auftreten können. Diese Parasiten verursachen schwere Verletzungen, die sogar so weit gehen können, dass Teile des Schädels offen liegen. Die gängigen Behandlungsmethoden sind für die Fische kaum angenehmer als die Parasiten: Man badet die Tiere in verschiedenen chemischen Substanzen, was Reizungen verursacht und sogar zum Tod führen kann. Die Alternative, Lippfische einzusetzen, die die Läuse fressen, ist wiederum für die Lippfische nicht akzeptabel: Sie werden nach getaner Arbeit von den Raubfischen gefressen.

Vögel und Robben als Kollateralschäden

Aquakulturen in offenen Gewässern haben einen weiteren Nachteil: Sie ziehen Vögel und Robben an, die auf eine leicht erbeutete Mahlzeit hoffen. Stattdessen verheddern sie sich in den schützenden Netzen und sterben elendiglich. Oder sie werden von den Fischzüchtern erschossen, die ihren Gewinn sichern wollen.

Überdüngung

Große Mengen an Fäkalien der Fische im Zuchtbecken gelangen in Flüsse und Meere. Von diesen zusätzlichen Nährstoffen profitieren Algen, die sich rasant vermehren, nach der Algenblüte absterben und auf den Grund sinken. Dort bauen Bakterien die abgestorben Algen ab und verbrauchen dabei den für andere Bewohner wichtigen Sauerstoff. Im schlimmsten Fall ersticken die Fische.

Wertvolle Habitate verschwinden

Die meisten Fische brauchen sauberes Wasser zum Leben – also baut man zum Beispiel in Asien riesige Shrimp-Farmen dort hin, wo die Umwelt besonders sauber war. So verschwinden wertvolle Mangrovenwälder, um Platz für Zuchtbecken zu machen.

Genmanipulierter Fisch gefährdet den Wildbestand

Um den Ertrag bei konventioneller Aquakultur noch zu steigern, werden die Fische genmanipuliert gezüchtet. Man erzeugt so genannte Triploide, also Fische mit drei statt zwei Chromosomen. Diese Fische sind steril und leiden an verschiedenen Krankheiten, doch wachsen sie deutlich schneller und sind bessere Futterverwerter. An die Gesundheit der Tiere wird dabei ebenso wenig gedacht wie an die Folgen für die Umwelt. Fliehen die genmanipulierten Fische aus ihrem Gefängnis und kreuzen sich mit Wildfischen, sind die Überlebenschancen für die Nachkommen sehr gering. Auch so gefährdet konventionelle Aquakultur den Fischbestand der Meere.

Ökologische Aquakultur: Eine echte Alternative

Fazit: Auch Lachs, Shrimps oder Forelle aus konventioneller Aquakultur sind keine Alternative. Hier gilt: Flossen weg! Wer nicht auf Fisch verzichten möchte, sollte ihn nur aus ökologischer Aquakultur kaufen.

Ökologische Aquakultur (erkennbar an einem seriösen Siegel) zeichnet sich durch umweltschonende Zuchtmethoden aus, die auch den Fischen das Leben bis zum Fang erleichtern.

Einige Kriterien der Bio-Aquakultur:

• Artgerechter Besatzdichte
• Einsatz natürlicher Heilmethoden
• Keine Fischerei nur zu Futterzwecken
• Gentechnisch veränderte Organismen werden nicht verfüttert
• Auch die Besatzfische sind nicht genmanipuliert
• Bio-Aquakultur wird immer öfter auch in geschlossenen Kreislaufanlagen betrieben, sodass weder Futterreste noch Fäkalien in umliegende Gewässer gelangen können.

Das können Sie tun

• Essen Sie nur einmal pro Woche Fisch und betrachten Sie ihn tatsächlich als Delikatesse
• Kaufen Sie nur Fisch aus Ökologischer Aquakultur
• Achten Sie beim Kauf auf ein seriöses Biosiegel (z.B. Naturland)

Ein Faltblatt mit ausführlichen Informationen kann man sich beim BUND herunterladen. UND: In den nächsten Wochen gibt’s noch einen weiteren Artikel zum Thema „Welchen Fisch kann ich denn überhaupt noch kaufen??“ mit Einkaufstipps und Infos zu den verschiedenen Siegeln.

 

 

Über Elke Liermann 11 Artikel
Ich bin Volkskundlerin und Fachredakteurin mit einer ausgeprägten Liebe zu gutem Essen. Das bedeutet für mich: ohne Tierleid, ohne Gentechnik und ohne Ausbeutung. Außerdem ist mir wichtig, möglichst nachhaltig zu leben und Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen - auch im Kleinen.