Sand ist das neue Öl

Warum Sand so wertvoll ist

Das 20. Jahrhundert war stark vom Ölmarkt geprägt. Die Volkswirtschaften florierten, weil sie auf Öl stießen. Der Ölpreis bestimmte Reichtum. Macht und die Ressource Öl waren eng miteinander verbunden. Wird Erdöl weiterhin so eine große Rolle spielen oder wird das nächste Jahrhundert von etwas anderem bestimmt werden? Es gibt starke Anzeichen, dass Sand bald so wichtig und begehrt wie Erdöl sein wird.

Sand ist derzeit nach Wasser die am zweithäufigsten geförderte natürliche Ressource. Sand scheint auf dem ersten Blick reichlich vorhanden zu sein – in Wüsten und an Stränden -, aber wir nutzen ihn auch übermäßig. Das Wort übertrieben wird der Sandnachfrage eigentlich gar nicht gerecht. In den letzten 30 Jahren ist die Nachfrage nach Sand um 360% gestiegen. Laut einem Bericht der UNEP fördern wir derzeit weltweit 40 Milliarden Tonnen Sand pro Jahr. Das ist 9-mal mehr als Rohöl.

Auch der Eindruck, dass unsere Sandressourcen unendlich sind, ist falsch. Die Bauindustrie ist der größte Sandverbraucher. Beton besteht neben Zement und Wasser zu 2/3 aus Sand. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es verschiedene Arten von Sand gibt und nicht alle für den Bau mit Beton geeignet sind. Weil der Sand in der Wüste viel abgerieben wird, ist seine Struktur rund und kann somit mit dem Zement nicht haften. Nur Meeressand mit seinen eckigen Kanten ist ideal dafür. Das ist auch der Grund, warum Wüstenstadt Dubai Sand von Stränden in Australien importieren musste, um das damals größte Bauwerk – den Burj Khalifa – zu bauen.

Da sich der Abbau von Bausand vor allem auf den Meeressand konzentriert, erscheinen die Reserven plötzlich relativ klein. Zusätzlich dazu, übersteigt der massive Sandabbau durch die extreme Nachfrage die Reproduktionsfähigkeit der Erde bei weitem:

Enstehung Sand

Und das alles zu einem Preis, den die Umwelt zahlen muss. 75-90% der Strände weltweit ziehen sich bereits zurück. 24 Inseln der Malediven sind verschwunden. Neben den gravierenden Umweltfolgen, sind auch einige soziale Entwicklungen besorgniserregend. Seitdem der Sand so wertvoll geworden ist, boomt der Schwarzmarkt. Unzählige kriminelle Organisationen konzentrieren sich darauf, illegal abgebauten Sand zu verkaufen. Dabei arbeiten die Sandabbauer teils zu unmenschlichen Bedingungen und lassen diejenigen töten, die im Weg stehen. Die Sandmafia ist überall auf der Welt aktiv und kaum aufzuhalten.

Um nachhaltig zu sein, ist die Reduzierung des weltweiten Sandverbrauchs ein Muss. Die folgende Infografik zeigt alle Facetten der Sandknappheit und gibt Anregungen, welche Materialien als Alternativen zu Sand verwendet werden können.

 

Über Robert Zimmermann 38 Artikel
Ich bin Diplom-Geograph mit dem Schwerpunkt Stadtgeographie und Einzelhandelsentwicklung und neben geographischen Fragestellungen auch sehr an den Themen Nachhaltigkeit, Umwelt und Verbraucherschutz interessiert. Hier geht es meinem Google+ Profil